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Sonntag, April 11, 2010

Buenos Aires 6

Die Reaktion auf Räuber sind überwältigend. Heute war die zweite Vorstellung, 800 Zuschauer, riesige Begeisterung für den Film und eine lange spannende Q&A-Runde. Und ich durfte mich über die vielfältige Interpretierbarkeit bildender Kunst auslassen. Herrlich!

Samstag, April 10, 2010

Buenos Aires 5

Fur heute Abend hat mich eine Elektro-Pop Sängerin, die ich am ersten Abend in Buenos Aires kennen gelernt habe, zu einem ihrer Konzerte eingeladen. Das startet um 3 Uhr. Nachts. Harte Sitten. Es ist eine Gay-Party und ich habe wohl etwas gelogen, als ich behauptet habe, dass mir das gar keine Angst macht.

Buenos Aires 4

Ich bin lange gewandert, von Downtown durch San Telmo nach La Boca, dem alten Hafenviertel. Dort bin ich kreuz und quer durchs Viertel gelaufen. Die bittere Wahrheit: Armut wirkt von Aussen einfach wildromantisch. Heruntergekommene Fabrikgebäude, streunende Hunde, schmutzige Kinder, die Wohnzimmer vor der Haustür. Das Strassenbild erinnert an verlassene amerikanische Vorstädte, breite staubige Pisten, blockweise kein Mensch zu sehen, dann wieder ein sinnlos grosser Supermarkt.

In einer versteckten Kellerbäckerei/-metzgerei, über die ich zufällig stolpere, bestelle ich eine Blätterteigtasche mit Hackfleischfüllung - ehrlich gesagt nur, weil sie oben auf liegt und den Fingerzeig einfach macht. Zwischen Bauarbeitern schlinge ich den besten Snack herunter, den ich seit Tagen gegessen habe.

Ein paar Mal muss ich meine Beine unter die Arme nehmen, weil herumlungernde Typen entweder mein Fotografieren oder meine Anwesenheit überhaupt störend finden. Aber wie es in Gegenden, in denen die Stimmung nach jedem Strassenzug wecheln kann, so ist, es gilt auch umgekehrt: man muss meist nicht lange spurten um auch wieder einen Polizeiwagen in seiner Nähe zu wissen. Dies immer verbunden mit der Hoffnung, dass die Polizei ihren Sold gerade nicht als viel zu gering empfindet...

Buenos Aires 3

Um kurz dem Eindruck entgegen zu wirken, ich würde das Festival links liegen lassen: Mitnichten. Ein Filmfestival hat nur naturgemäß nicht so viele erzählenswerte Erfahrungen parat wie das echte Leben. Und letztlich ist es eben auch schlicht Arbeit. Dafür ist es aber eine großartige Grundlage. Vielfältige Gelegenheiten den neuen argentinischen Film kennen zu lernen und insbesondere ein Coproduktionsmarkt, der Kontakte für zukünftige Cooperationen anbietet. Spannende Wege ergeben sich.

Buenos Aires 2

Buenos Aires ist groß! Sehr sehr groß! Schon beim Anflug liegt die Stadt ewig lang unter uns und scheint überhaupt kein Ende zu nehmen. Ein Erlebnis, daß so wohl nur von Städten wie Sao Paulo oder Mexiko City übertroffen werden dürfte.

Das macht es schwierig die Stadt zu begehen, mehr als Schlaglichter auf bestimmte Viertel zu werfen. Der erste prägende Eindruck: Ein europäisches New York, genauer, ein spanisches Manhatten, durchdrungend aber von der Finanznot der zweiten Welt.

Geschäftigtkeit, Quirligkeit, ein Stampfen des Herzens der Stadt ist auf den großen Straßen und dazwischen zu spüren. Und als ich mich zu Fuß Richtung Hafen aufmache, habe ich Downtown wieder ein Deja Vu, als würde ich im Financial District von New York ankommen.

Die Gerüche stammen wieder eher aus südeuropäischen Großstädten - für einen Italiener, den ich im Flieger kennen gelernt hatte, der für die schwäbische Firma Kärcher das Südamerikageschäft betreut, war das am Flughafen auch das echte Ankommen: "Now smell Southamerica", sagte er. Was man da riecht ist einfach nur eigen, eine Mischung aus hiesig verwendeten Materialen, etwas Müll, Schweiß, Parfüm. Ich werde es jedenfalls wieder erkennen. Und mögen.

In den dicht besiedelten zentralen Bezirken ist eine beeindruckende Geschäftigkeit zu erleben. Jede Nische wird genutzt noch einen kleinen Laden aufzumachen und der Grill neben dem Friseurstuhl nichts besonderes. Imbissbudenbesitzer haben ihre helle Freude an mir, weil ich bestellen muss ohne zu wissen, was ich gleich essen werde.

Es gibt ein paar düstere und kritische Viertel in Buenos Aires. Und ich konnte sie auf meinen Streifzügen mit der Kamera nicht umgehen. Denn immer wieder sagte irgendein Polizist das gefährliche Zauberwort zu mir: "Don't go there!". Und dann, klar: verdammte Neugier.

Freitag, April 09, 2010

Buenos Aires 1

Der erste Abend in Buenos Aires. Ich habe gerade die Eröffnungsveranstaltung des Festivals erlebt, brav langen Reden zugehört und eifrig geklatscht, wenn es angebracht schien. Verstanden habe ich freilich kein Wort.

Danach liege ich Jetlag-geplagt im Hotelzimmer und zappe mich durchs Programm. Weil ich unter den ersten dreißig Kanälen partout keine mir geläufige Sprache entdecke, bleibe ich bei einem Kinderkanal hängen.

Ein blauer Elefant auf Rädern (oder ein Bus mit Mund und Augen, möglicherweise auch ein riesiger Staubsauer mit Gesicht) und ein Motorradschwein (also wirklich ein Schwein, das aber statt Beinen zwei Räder hat!) versuchen einen Straßenlooping zu durchfahren. Das gelingt erst nicht mangels Geschwindigkeit und man versucht sich an verschiedenen Lösungsideen. Das Schwein gibt sich aber so brutal weinerlich und hoffnungslos, das man irgendwann aufhört im noch Erfolg wünschen zu wollen. Ich merke, wie ich mir dauernd einen „Happy Tree Friends“ Fortgang wünsche, bei dem das Schweinchen irgendwo den Kopf verliert.

Wieso laufen hier Kindersendungen eigentlich um zwei Uhr nachts?!